Achterbahn

SilverStar im Europa-Park

Achterbahn

Sie sind oft das Highlight in einem jeden Freizeitparks. Dabei stehen sie für Angst und Spaß zugleich. Kaum ein größerer Freizeitpark kommt ohne Achterbahnen aus. Dabei ist die Geschichte der Achterbahnen älter, als man denken mag. Den Urspung der Achterbahnen findet man nämlich nicht -wie man meinen könnte- in Amerika, sondern in Russland. Und die ersten “Achterbahnen” hatten noch rein gar nichts mit den heutigen Giganten aus Stahl und Holz zu tun.

Bereits im 16. Jahrhundert baute man in Russland in der Region um das heutige St. Petersburg im Winter hölzerne Abfahrten, die mit Wasser begossen wurden. Das Wasser gefror und man konnte die vereisten Abfahrten herunter fahren. Da die Temperaturen im Sommer zum Vereisen nicht tief genug waren, baute man kurzerhand Schlitten mit Rädern. Napoleons Soldaten waren es wohl, die diese Idee nach Westeuropa brachten. So wurden Achterbahnen in Frankreich unter dem Namen “Montagnes Russes” (russische Berge) bekannt und die spanische Bezeichnung für Achterbahn “Montaña rusa” trägt auch heute noch die ursprüngliche Herkunft im Namen. 1817 eröffneten die ersten Achterbahnen Europas im französischen Parque Bouillon unter dem Namen “Promenades Aériennes” sowie eine weitere Achterbahn, die sich “Les Montagues Russes a Belleville”nannte. Diese Abfahrten wurde jedoch bald wieder geschlossen, da es noch keine Bremssysteme gab und es nicht selten zu Unfällen kam.

Von der Hügelab- zur Achterbahn

Gegen 1870 kam in Amerika der Name “Roller Coaster” auf. Eine Minenbahn in Mauch Chunk im Bundesstaat Pennsylvania wurde abseits der Arbeitszeit zur Belustigung genutzt, um “rollende Untersetzer” zu bewegen. Tagsüber wurden Kohlen bewegt und am Abend waren es Vergnügungssüchtige, die für 1$ einen wilden Ritt im “Mauch Chunk Railway” über die 14 km lange Strecke wagten. Bis 1929 konnte man hier einen natürlichen Hügel herab fahren, auf den jedoch der Zug vor der nächsten Fahrt wieder herauf gezogen werden musste.
Ein etwas anderes Prinzip verfolgte die 1884 auf Coney Island ebenfalls nach dem Hügelab-Prinzip von LaMarcus Adna Thompson gebaute Bahn “Switchback Gravity Pleasure Railway”. Hierbei wurden 2 künstliche Hügel aus Holz gebaut, deren Verlauf gegensätzlich waren. Am Ende einer jeder Strecke wurden die Wagen von Arbeitern auf den Hügel befördert und die Fahrgäste konnten im Wagen zum ursprünglichen Start zurück fahren.
Die erste Achterbahn in Form einer 8 wurde im Jahr 1898 ebenfalls auf Coney Island eröffnet. Diese aus Bergen und Tälern bestehende Fahrt (daher auch der Namen Berg- und Tal-Bahn) war in Form einer 8 gebaut. Diesem Ursprung entsprang die deutsche Bezeichnung Achterbahn (früher Achtbahn). Die in sich geschlossene Holz-Konstruktion beförderte mit einem Lift über eine schräge Auffahrt den Achterbahn-Zug auf eine bestimmte Höhe. Von dieser Stelle an durchfuhr der Zug allein durch die Schwerkraft in Bewegung gehalten den gesamten Streckenverlauf. Basierend auf dieser Definition gibt es unter Achterbahn-Freunden fortlaufend Diskussionen, welche Achterbahn auch wirklich eine Achterbahn im klassischen Sinn ist. Powered Coaster fahren zwar auf Schienen, jedoch werden die Züge durch einen Elektromotor angetrieben. Achterbahn oder keine Achterbahn?

Achterbahn-Boom

Bis zum Beginn der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre explodierte die Anzahl der Achterbahnen vor allem in den USA. Die technischen Möglichkeiten und der Baustoff Holz ließen jedoch wenig Spielraum für Innovationen. So dauerte es bis in die 1960er Jahre, ehe die Stahlbauweise neue Konzepte und neue Elemente erlaubte. Ein deutscher Ingenieur sollte den Achterbahn-Bau revolutionieren. Der in Bochum geborene Werner Stengel war es, der die seit Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder versuchten Loopings fahrbar machte und die Herzlinie erfand die Kurvenfahrten auch bei hohen Geschwindigkeiten ermöglicht.

100 Meter, 200 km/h und kein Ende

Heutige Achterbahnen überschlagen sich in Rekorden. So gibt es Mega-, Hyper-, Giga- und Tera-Coaster, Sit-Down-, Inverted-, Suspended-, Stand-Up-, Flying-, Floorless-, Spinning-, 4D-, Alpine- und Water-Coaster, Achterbahnen mit Lifthill, Achterbahnen mit Katapultstart (Launched Coaster) und die mit einem Elektromotor angetriebenen Powered Coaster. Dem Ideenreichtum der Achterbahn-Schmieden scheinen keine Grenzen gesetzt. Die Marken von 200km/h und 100 Meter Höhe sind schon seit langem durchbrochen und man darf gespannt sein, welche Achterbahnen uns in Zukunft den Atem rauben werden.

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